Rürup-Rente

Die Rürup-Rente ist ein Baustein der sog. Basis-Altersvorsorge im Rahmen des Drei-Schichten-Modells, das von der Rürup-Kommission zur Neuordnung der steuerrechtlichen Behandlung von Aufwendungen zur Altersvorsorge und Altersbezügen entwickelt wurde.

Inhalt:

1. Basisbaustein Rürup-Rente
2. Voraussetzungen für den Sonderausgabenabzug
3. Beiträge zur Rürup-Rente in der Steuererklärung
4. Nachteile der Rürup-Rente

Die Rürup-Rente (Basisrentenvertrag) gehört wie

  • die gesetzliche Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte,
  • die berufsständischen Versorgungseinrichtungen für Freiberufler und
  • die Alterssicherung für Landwirte

zu den Bausteinen der Basisversorgung i.S.d. der Altersvorsorge, wie sie durch das zum 01.01.2005 in Kraft getretene Alterseinkünftegesetz definiert wurden. Die Rürup-Rente ist jedoch ein streng reglementiertes Produkt, das an viele Voraussetzungen gebunden ist und aus denen sich eine Reihe von Nachteilen ergeben. Davon abgesehen variieren die Verwaltungskosten zwischen den einzelnen Anbietern einer Rürup-Rente erheblich, so dass eine individuelle Beratung durch einen unabhängigen Berater und ein neutraler Vergleich der einzelnen Angebote dringend zu empfehlen sind. 

Beispiel:

Ein verheirateter Arzt mit zwei Kindern hat in 2014 laufende Beiträge in Höhe von EUR 12.000,00 in seinen Basisrentenvertrag eingezahlt. Nun überlegt er wegen eines Schreibens seiner Versicherung zum Jahresende, ob er eine weitere Zuzahlung in Höhe von EUR 8.000,00 einzahlt. Das Jahr ist gut gelaufen und er wird aus seiner Arztpraxis voraussichtlich einen Jahresüberschuss in Höhe von EUR 150.000,00 haben. Der Spitzensteuersatz beträgt 42%.

1. Basisbaustein Rürup-Rente

Das Grundprinzip ist der gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte sehr ähnlich, aber die Rürup-Rente baut auf einer kapitalgedeckten Rentenversicherung auf und richtet sich insbesondere an solche Unternehmer, Freiberufler und andere Gruppen, denen der Zugang zu einem der o.g. Basisbausteine verschlossen ist. Der zentrale Vorteil der Rürup-Rente besteht darin, dass die Beiträge im Rahmen der Ansparphase bis zu einem Höchstbetrag als Sonderausgaben abzugsfähig sind und somit das zu versteuernde Einkommen neben den anderen Sonderausgaben zusätzlich mindern. Dieser Steuervorteil wird jedoch mit einer Reihe von Nachteilen erkauft, denen man sich beim Abschluß einer Basisrentenversicherung bewusst sein sollte.

2. Voraussetzungen für den Sonderausgabenabzug

Ein Basisrentenvertrag i.S.d. Rürup-Rente muss die in § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG definierten Bedingungen erfüllen, damit die laufenden Beiträge und die Zuzahlungen der Versicherungsnehmer als Sonderausgaben abzugsfähig sind. Diese gesetzlichen Voraussetzungen lassen sich stichpunktartig wie folgt umschreiben:

  • Vertragsbeginn nach dem 1.1.2005;
  • Kein Kapitalwahlrecht, sondern Auszahlung nur als monatliche Rente;
  • Rentenzahlung nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres (betrifft Verträge ab dem 01.01.2012);
  • Ausschluß der Vererblichkeit, Übertragbarkeit und Beleihung;
  • Ausschluß der Möglichkeit zur Veräußerung bzw. zum Rückkauf.

Einige der vorgenannten Bedingungen entpuppen sich bei näherem Hinsehen in vielen Konstellationen zu gravierenden Nachteilen, die eine Rürup-Rente als zentralen Baustein einer Altersvorsorge untauglich machen.

3. Beiträge zur Rürup-Rente in der Steuererklärung

Beiträge zu einem Basisrentenvertrag (Rürup-Rente) werden in der Einkommensteuererklärung in der Zeile 7 der Anlage V erfasst, wobei der abziehbare Höchstbetrag in 2014 bei 78% von

  • EUR 20,000,00 bei Ledigen und
  • EUR 40.000,00 bei Verheirateten

liegt. Dieser steigt jährlich um 2% an, bis er schließlich im Jahre 2025 den maximal abziehbaren Betrag zu 100% erreicht.

Beispiel:

In meinem Beispiel werden von den bislang eingezahlten Beiträgen des Arztes in seinen Basisrentenvertrag in Höhe von EUR 12.000,00 nur 78% als Vorsorgeaufwendungen steuerlich berücksichtigt. Sein zu versteuerndes Einkommen vermindert sich dadurch um EUR 9.360,00. Bei einem Spitzensteuersatz von 42% führt das im Rahmen der Einkommensteuer zu einem steuerlichen Vorteil in Höhe von EUR 3.931,20 (Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bleiben hier unberücksichtigt). In 2015 würde sich der steuerliche Vorteil bei gleichbleibendem Spitzensteuersatz auf EUR 4.032,00 erhöhen (= EUR 12.000,00 x 80% x 42%), in 2016 auf EUR 4.132,80 (= EUR 12.000,00 x 82% x 42%) und in 2017 auf EUR 4.233,60, wobei sich diese Reihe bis 2025 so fortsetzt. Eine weitere Zuzahlung in Höhe von EUR 8.000,00 würde in 2014 zu einem Steuervorteil in Höhe von EUR 2.620,80 führen (= EUR 8.000,00 x 78% x 42%).

4. Nachteile der Rürup-Rente

Auch wenn der Steuervorteil infolge der Beiträge zu einem Basisrentenvertrag gerade für sehr gut verdienende Unternehmer und Freiberufler verlockend ist, sollte man sich mit den Nachteilen der Rürup-Rente ebenfalls beschäftigen, idealerweise vor Abschluß eines Vertrages. Die gleichen Überlegungen gelten natürlich auch im Falle von freiwilligen Zuzahlungen außer der Reihe, die bei der Rürup-Rente jederzeit möglich sind.

Die Nachteile im Zusammenhang mit der Rürup-Rente ergeben sich im wesentlichen aus den restriktiven Voraussetzungen, die gem. § 10 Abs. 1 Nr. 2b EStG für eine Zertifizierung eines Basisrentenvertrages gelten. An erster Stelle steht die mangelhafte Hinterbliebenenversorgung im Falle des Todes des Versicherungsnehmers, die allenfalls über Zusatzversicherungen abgeschlossen werden kann. Dies gilt umso mehr, als bei der Rürup-Rente das Kapitalwahlrecht ausgeschlossen ist und das Guthaben nur in Form einer lebenslangen Rente ausgezahlt wird, wobei für die Höhe der Rente die jeweils aktuellen Sterbetafeln zugrundegelegt werden. Wer hier früher stirbt, ist länger tot.

a) Besteuerung der Rürup-Rente

Bei der Rürup-Rente gilt wie bei den anderen Bausteinen der Basisversorgung das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Die Beiträge zur Altersvorsorge sind zwar wie Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig, aber im Gegenzug muss die Rürup-Rente in der Auszahlungsphase versteuert werden, ab 2040 sogar zu 100%. In bestimmten Konstellationen kann sich in der Gesamtschau hieraus sogar eine steuerliche Mehrbelastung ergeben.

b) Auszahlung als lebenslange Rente

Bei der Rürup-Rente ist ein Kapitalwahlrecht ausgeschlossen, d.h. das angesparte Guthaben wird nur als lebenslange Rente ausgezahlt, wobei hinsichtlich der Lebenserwartung die jeweils aktuellen Sterbetafeln zugrundegelegt werden. Stirbt der Versicherungsnehmer früher, haben er und seine nächsten Angehörigen Pech gehabt, weil es einen Hinterbliebenenschutz nur bei entsprechender Zusatzversicherung gibt. Hier ist es wir im Kasino. Die Versicherung gewinnt immer.

c) Ausschluß der Übertragbarkeit und Beleihungsmöglichkeit

Eine Übertragung auf eine andere Versicherung ist bei der Rürup-Rente genauso ausgeschlossen wird die Kündigung oder die Möglichkeit einer Beleihung oder Verpfändung als Sicherheit. Die Auswahl eines Anbieters ist für die gesamte Vertragslaufzeit bindend. Das angesparte Guthaben kann nicht als Sicherheit für eine Baufinanzierung oder andere Darlehen im betrieblichen Bereich eingesetzt werden.

d) Vergleichsweise hohe Abschlußkosten

Von den vorgenannten Nachteilen mal abgesehen sind mit der Rürup-Rente i.d.R. auch hohe Abschlußkosten verbunden, die je nach Anbieter variieren und die ohnehin niedrige Rendite zusätzlich belasten. Erhöht sich die Vertragssumme durch freiwillige Zuzahlungen, wird das Guthaben erneut mit Abschlußkosten belastet.


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