Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Aus der Anwendung der Kleinunternerregelung ergeben sich auch Nachteile, wenn die Kunden größtenteils aus Unternehmen bestehen.

Nachteile der Kleinunternehmerregelung

Im Gegensatz zu Privatkunden sind Unternehmen grundsätzlich nicht bereit, einen im Vergleich zu anderen Anbietern höheren Nettopreis für Waren oder Dienstleistungen zu zahlen. Die Nachteile aus der Kleinunternehmerregelung ergeben sich daraus, dass der Kleinunternehmer gem. § 19 UStG keine Umsatzsteuer in seiner Rechnung ausweisen darf und daher auch nicht zum Vorsteuerabzug aus den Rechnungen seiner Lieferanten berechtigt ist. Aus diesem Grund zahlt der Kleinunternehmer beim Bezug von Waren oder Dienstleistungen einen höheren Preis. Folgende Beispiele zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung in der Praxis sollen dies verdeutlichen:

Beispiel 1 (ohne Anwendung der Kleinunternehmerregelung):

Unternehmer A kauft bei seinem Lieferanten X Wein für netto EUR 100,00. X berechnet hierfür EUR 100,00 zuzüglich 19 % USt, also insgesamt EUR 119,00. A zahlt an seinen Lieferanten X einen Rechnungsbetrag von EUR 119,00.

Unternehmer A verkauft den Wein wieder für netto EUR 200,00 zuzüglich 19% USt. Er berechnet seinem Kunden also EUR 238,00. Unternehmer A meldet dem Finanzamt Umsätze in Höhe von EUR 200,00 an. Hierauf entfällt Umsatzsteuer in Höhe von EUR 38,00. Davon zieht er die Vorsteuer in Höhe von EUR 19,00 ab, die er an X bezahlt hat.

Ergebnis für Beispiel 1:

Unternehmer A wird mit der bezahlten Vorsteuer nicht belastet, weil er nur die Differenz zwischen erhaltener Umsatzsteuer und bezahlter Vorsteuer an das Finanzamt abführen muss. Der Rohgewinn des Unternehmers A beträgt EUR 100,00.

Beispiel 1 bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung:

Kleinunternehmer B kauft bei seinem Lieferanten X Wein für netto EUR 100,00. X berechnet hierfür EUR 100,00 zuzüglich 19 % USt, also insgesamt EUR 119,00. B zahlt an seinen Lieferanten X einen Rechnungsbetrag von EUR 119,00.

Kleinunternehmer B wendet die Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG an und verkauft den Wein  für EUR 200,00 weiter an Unternehmer ohne zusätzlichen Ausweis von Umsatzsteuer. Er berechnet seinen Kunden den üblichen Nettopreis von EUR 200,00, wobei hier keine Vorsteuer für die Rechnungsempfänger enthalten ist. Kleinunternehmer B muss beim Finanzamt keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, da er keine Umsatzsteuer berechnet und keine Vorsteuer abziehen darf.

Ergebnis Beispiel 1 bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung:

Kleinunternehmer B wird mit der bezahlten Vorsteuer belastet, weil er die an X bezahlte Vorsteuer vom Finanzamt nicht zurückerhält. Dem Kleinunternehmer B entstehen für den Wein Kosten in Höhe von EUR 119,00. Sein Rohgewinn beträgt hier also nur EUR 81,00, weil er für den Wein EUR 119,00 bezahlt hat, aber nur für EUR 200,00 weiterverkaufen kann.

Will Kleinunternehmer B den gleichen Rohgewinn wie Unternehmer A in Höhe von EUR 100,00 erzielen, müsste er den Wein an seinen Kunden Unternehmer Clever für EUR 219,00 verkaufen. Unternehmer Clever ist jedoch nicht bereit, mehr als den üblichen Nettopreis von EUR 200,00 zu zahlen. Wenn Unternehmer Clever eine Rechnung über EUR 219,00 ohne Ausweis der Umsatzsteuer erhält, zahlt er definitiv EUR 219,00, weil er aus dieser Rechnung keinen Vorsteuerabzug geltend machen kann. Unternehmer Clever kann den gleichen Wein jedoch bei A für EUR 200,00 beziehen.

Kleinunternehmer B kann den gekauften Wein also an andere Unternehmer nur für EUR 200,00 verkaufen. Der Rohgewinn des Kleinunternehmer sinkt von EUR 100,00 auf EUR 81,00. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Kleinunternehmerregelung deutliche Nachteile bringt, wenn sich der Kundenstamm des Kleinunternehmers vorwiegend aus Unternehmern zusammensetzt. Vorteile ergeben sich dagegen, wenn die Kunden hauptsächliche Privatleute sind.

Fazit und Nachteile der Kleinunternehmerregelung:

Wenn der Kundenstamm des Kleinunternehmers nur oder überwiegend aus vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen besteht und die Branche von einem harten Preiskampf gekennzeichnet ist, muss der Kleinunternehmer Einbußen beim Rohgewinn in Kauf nehmen.


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