Basel II Rating

Der Bankkredit ist für Gründer und junge Unternehmen eine der wichtigsten Finanzierungsquellen. Durch das intransparente Rating i.S.v. Basel II haben sich leider die Anforderungen und Bedingungen an einen klassischen Bankkredit wesentlich verschärft.

Durch die Einführung der Eigenkapitalstandards Basel II hat sich im klassischen Finanzierungsgeschäft mittels Bankkredit folgender Grundsatz verfestigt: "Je höher das Risiko, desto mehr Eigenkapital muss die Bank vorhalten". Sowohl kleine oder mittlere Unternehmen als auch Unternehmen in der Rechtsform GmbH, GmbH & Co. KG oder AG mussten sich auf die neue Ratingverfahren einstellen, um weiterhin einen zinsgünstigen Zugang zu Bankkrediten zu haben. Darüber hinaus bietet das Rating auch Chancen, vorhandene Schwachstellen im Unternehmen zu erkennen und gezielt Verbesserungen zu erarbeiten.

1. Was ist überhaupt ein Rating?

Rating ist ein standardisiertes Verfahren zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage und der zukünftigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Bei der Beurteilung werden insbesondere die Jahresabschlüsse, bestehend aus Bilanz und GuV, die Unternehmensstrategie, die Marktstellung, die Nachfolgeregelung und die Qualifikation der Geschäftsführer berücksichtigt.

2. Wie wird ein Rating erstellt?

Das Rating wird regelmäßig erneuert, um aktuelle Veränderungen zu erfassen und so stets eine aktuelle Beurteilung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zu haben.

3. Welche Ratingfaktoren gibt es?

Für die Ratingbewertung werden konkrete Kennzahlen aus dem Jahresabschluss bzw. aus der Einnahmen-Überschussrechung bei Freiberuflern oder kleinen Unternehmen errechnet und aus Planungsrechnungen bzw. aus unterjährigen betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) abgeleitet.

Die quantitativen Kennzahlen beschreiben

  • die Kapitalstruktur des Unternehmens, insbesondere Eigenkapitalquote,
  • den Verschuldungsgrad,
  • die Rentabilität,
  • den Cash flow sowie
  • die Liquidität.

In der Regel erstellt das Kreditinstitut aus den Daten des Unternehmens eine abgeleitete Bilanz, mit entsprechenden Umgliederungen und Eliminierung vorhandener Besonderheiten. Ziel ist die Abbildung der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Das Rating-Ergebnis wird zum größten Teil durch die Analyse der quantitativen Faktoren bestimmt. Es werden jedoch auch qualitative Faktoren berücksichtigt, da allein eine Kennzahlenanalyse kein umfassendes Bild des Unternehmens ergibt. Qualitativ werden in der Regel folgende Dinge beurteilt:

  • Unternehmensstrategie,
  • Management-/Mitarbeiterqualifikation,
  • Nachfolgeregelung,
  • Risikomanagement,
  • Unternehmensplanung / Controlling,
  • Rechnungs-/Berichtswesen,
  • Jahresabschlusspolitik,
  • Informationspolitik,
  • Marktstellung / wirtschaftliches Umfeld,
  • Reaktionsmöglichkeiten auf Marktschwankungen und
  • Qualität der Kontoführung, zum Beispiel Überziehungen

Bei kleineren Unternehmen spielen die Faktoren Unternehmensplanung / Controlling, die Nachfolgeregelung und die Qualität der Kontoführung die größte Rolle.

Warnsignale sind zusätzliche Merkmale im Ratingverfahren. Diese können auf auf Liquiditäts-Schwierigkeiten oder drohende Zahlungsunfähigkeit hindeuten und treten bei einem Unternehmen mit guter Bonität in der Regel nicht auf. Das sind an erster Stelle:

  • Pfändungen
  • nicht bezahlte Darlehensraten
  • Scheck- oder Lastschriftrückgaben.

Solche Warnsignale können das Rating drastisch verschlechtern.

4. Bedeutung des Ratings für die Kreditvergabe?

Die Entscheidung des Kreditinstituts über die Vergabe eines Darlehens ist zentral abhängig vom Rating-Ergebnis. Ebenso hat es auch Einfluss auf den Zinssatz. Analog zu den Eigenkapital-Standards gem. Basel II gilt der Grundsatz: Je schlechter die Bonität des Unternehmens, desto höher ist das Risiko und dementsprechend schlechter die Ratingnote. Die Kreditzinsen lehnen sich an die Ratingnote an, falls es bei einem schlechten Rating überhaupt zu einer Kreditvergabe kommt. Andere Faktoren, wie z.B. die Qualität der gestellten Sicherheiten können das Ergebnis jedoch noch beeinflussen.

5. Weitere Faktoren für die Kreditentscheidung?

Das Ratingergebnis ist zwar eine wichtige Entscheidungsgrundlage, jedoch nicht die einzige. Bei der Entscheidung über die Darlehensvergabe wird auch geprüft,

  • ob das Unternehmen Zins und Tilgung erwirtschaften kann
  • ob ausreichende Sicherheiten gestellt werden können und
  • ob das zu finanzierende Vorhaben selbst wirtschaftlich sinnvoll ist.

Branchenzugehörigkeit

Die Zugehörigkeit eines Unternehmens zu einer bestimmten Branche spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Einige Kreditinstitute berücksichtigten die Branchenzugehörigkeit bereits im Rahmen des Ratingverfahrens, andere betrachten die Branche erst im Rahmen der Kreditentscheidung. Unternehmen aus den folgenden Branchen müssen dieses Negativmerkmal durch ein überdurchschnittliches Rating oder andere positive Merkmale ausgleichen:

  • Gastronomie,
  • Einzelhandel und
  • Handwerk.

Diese Liste ist nicht abschließend und beruht auch auf keinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf eigenen Erfahrungswerten.

7. Wie kann die Ratingnote verbessert werden?

Unternehmen mit hohem Fremdfinanzierungsaufwand sollten sich nicht nur auf das Ratingverfahren einstellen und die eigene Ratingnote gut kennen, sondern die Unternehmenssituation in dieser Richtung verbessern. Durch aktive Verbesserung der Ratingnote kann ein Unternehmen das Ratingergebnisse und somit auch die Finanzierungskosten überdurchschnittlich verbessern. Folgende Maßnahmen können hier weiterhelfen:

Verbesserung der Bilanzkennzahlen

Hier geht es vor allem um die Verbesserung der Bilanzkennzahlen als auch um die Informationspolitik gegenüber der Bank. Untersuchungen zeigen, dass die Finanzierungskosten deutlich sinken, wenn die Kommunikation gegenüber der Bank intensiviert und verbessert wird. Auch eine punktuelle Verbesserung einzelner Ratingfaktoren, insbesondere der Bilanzkennzahlen, kann schon positive Effekte haben.

8. Wie kommuniziert man erfolgreich mit der Bank?

Machen Sie sich bewusst, dass jede Kreditvergabe eine Investition in ein Unternehmen darstellt. Diese Investition muss betriebs- und finanzwirtschaftlich sinnvoll und ertragreich sein. Daher gilt: Berichten Sie regelmäßig über alles, was maßgeblich den Erfolg der Investition beeinflusst.

Regelmäßige Vorlage der Geschäftsunterlagen

In der Regel benötigen die Kreditinstitute regelmäßig folgende Unterlagen:

  • Jahresabschlüsse und
  • aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen mit Summen- und Saldenliste.

Darüber hinaus sind im Einzelfall und je nach Branche und Größenordnung des Darlehens auch folgende Geschäftsunterlagen von Interesse für das Kreditinstitut. Fragen Sie einfach, was gewünscht ist.

  • Debitoren- und Kreditorenlisten,
  • Aufstellung über das Auftragsvolumen,
  • Liquiditätsplan und -übersicht für die nächsten 2-3 Monate,
  • Planrechnung für das laufende Jahr bzw. das nächste Geschäftsjahr,
  • aktualisierte strategische Aussagen - Konzept/ Investitionsrechnung/ Business-Plan.

Erläuterung der Unterlagen

Im Falle eines Gesprächs mit der Bank sollten einzelne Geschäftszahlen in den vorgenannten Unterlagen plausibel und nachvollziehbar erklärt werden können.

Offene Kommunikation

Pflegen Sie mit Ihrer Bank eine offene Kommunikation, insbesondere im Hinblick auf die Liquiditätsplanung. Informieren Sie vorausschauend über Kontoüberziehungen. Die Unterstützung durch einen professionellen Berater kann sich hier lohnen, wenn das Unternehmen dauerhaft von Fremdkapital abhängig ist.


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