Wahl der Rechtsform

Die Wahl der Rechtsform im Rahmen der Existenzgründung beeinflusst zunächst die Gründungskosten und -formalitäten zu Beginn der Selbständigkeit. Es geht aber auch um steuerliche, haftungsrechtliche und andere Kriterien im weiteren Verlauf der Selbständigkeit, die von Anfang an zu beachten sind. Daher ist es wichtig, sich schon zu Beginn mit den wesentlichen Merkmalen der einzelnen Rechtsform zu befasssen und für die richtige zu entscheiden.

Inhalt:

  1. Warum die Rechtsformwahl wichtig ist
  2. Rechtsformwahl in 3 Schritten
  3. Selbständig machen mit der richtigen Rechtsform

1. Warum die Rechtsformwahl wichtig ist

Bei der Wahl der richtigen Rechtsform für das Startup geht es nicht nur um die grundsätzliche Entscheidung zwischen den verschiedenen zur Verfügung stehenden Rechtsformen (Unternehmensformen), sondern auch um die individuelle Gestaltung der notwendigen Verträge. Spätere Änderungen der Gesellschaftsverträge und/oder der Rechtsform sind oftmals schwierig umzusetzen und mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Besondere Sorgfalt bei den Überlegungen über die richtige Rechtsform ist also dringend zu empfehlen. Das weitgehend anpassungsfähige deutsche Gesellschaftsrecht eröffnet im Rahmen der Vertragsfreiheit je nach Rechtsform einen weitreichenden Gestaltungsspielraum, so dass die individuellen Bedürfnisse der Gründer bestmöglich zu erfüllen sind. Das in Deutschland vorherrschende Prinzip der Vertragsfreiheit geht sogar so weit, dass sich hieraus in der Wirtschaftspraxis Rechtsformen entwickelt haben, die in der Rechtsordnung so nicht vorgesehen waren (z.B. GmbH & Co. KG). Existenzgründer müssen sich jedoch für eine aus dem Katalog der verfügbaren Rechtsformen in Deutschland entscheiden.

Die ideale Rechtsform für einen oder mehrere Existenzgründer

  • ist mit geringen Gründungskosten und wenig Formalitäten verbunden,
  • bietet weitreichende Flexibilität im Hinblick auf unsichere Zukunftserwartungen,
  • lässt die Möglichkeit zur steuerlichen Verlustverrechnung mit anderen Einkünften in der Anfangsphase zu und
  • ist für den oder die Unternehmer möglichst einfach und mit geringen laufenden Kosten zu handhaben.

Daneben müssen sich Existenzgründer gedanklich auch damit beschäftigen, dass

  • die Geschäftsidee eventuell nicht den erhofften Erfolg hat oder
  • sich andere typische unternehmerische Risiken verwirklichen.

Je größer die betrieblichen und finanziellen Risiken sind, desto höher ist das Schutzbedürfnis der Existenzgründer und die damit verbundene Notwendigkeit einer Haftungsbeschränkung zu bewerten.

Wer sich mit den einzelnen Rechtsformen in Deutschland auseinandersetzt, wird schnell erkennen, dass es die ideale Rechtsform nur selten gibt. In den meisten Fällen geht es um eine Abwägung der jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Rechtsformen und eine abschließende Entscheidung, welche Rechtsform trotz ihrer Nachteile am besten geeignet ist.

2. Rechtsformwahl in drei Schritten

Idealerweise beginnt man in der

Abschließend wird die Rechtsform an die individuellen Bedürfnisse angepasst.

1. Phase der Existenzgründung: Analyse der Ziele

1. Rechtsgestaltung und Haftungsbeschränkung
2. Unternehmensleitung oder Kontrolle
3. Finanzierung
4. Besteuerung des Unternehmens und der Gesellschafter
5. Flexibilität der Rechtsform
6. Sicherung des Unternehmensbestands
7. Mitbestimmung im Unternehmen
8. Gründungskosten
9. Sonstige Kriterien bei der Rechtsformwahl

Bei der Analyse vor der Unternehmensgründung geht es in erster Linie um die Ziele und Motive des Existenzgründers, die mit dem Startup verbunden sind.

2. Phase der Existenzgründung: Vorselektion unter den Rechtsformen

In der 2. Phase werden die zur Verfügung stehenden Rechtsformen daraufhin überprüft, ob sich die Ziele und Motive des Existenzgründers damit verwirklichen lassen und ggf. welche Kompromisse einzugehen sind.

3. Phase der Existenzgründung: Bewertung und Entscheidung

1. Bewertung der Rechtsformen anhand der Unternehmensziele
2. Scoring der geeigneten Rechtsformen

In der dritten Phase erfolgt die Entscheidung für die Rechtsform, mit der sich die Ziele und Motive des Existenzgründers am besten verwirklichen lassen, verbunden mit einer Gestaltung und Optimierung notwendiger Verträge, soweit dies möglich ist.

3. Selbständig machen mit der richtigen Rechtsform

1. Phase: Analyse der Ziele

Jede erfolgreiche Unternehmensgründung erfordert eine klare Vorstellung von den Zielen, die man erreichen will. Solange die Ziele nicht vollständig klar definiert sind, ist eine Entscheidung über die richtige Rechtsform nahezu unmöglich. Sofern ein ausgearbeiteter Businessplan vorliegt, ist davon auszugehen, dass sich der Existenzgründer ausreichend Gedanken über die Zukunft und seine Ziele gemacht hat. Anhand der folgenden Entscheidungskriterien werden Sie zielsicher und überlegt die ideale Rechtsform finden. Beachten Sie jedoch, dass die einzelnen Entscheidungskriterien je nach Einzelfall eine unterschiedliche Gewichtung haben und letztendlich die Gründer selbst entscheiden müssen, welche Kriterien für Sie die größte Bedeutung haben und welche Sie eher vernachlässigen können.

1. Gestaltung und Haftungsbeschränkung

An erster Stelle steht zunächst die Frage nach der erforderlichen Rechtsgestaltung bzw. das erforderliche Verhältnis zwischen Existenzgründer und Unternehmen auf der einen Seite und das Verhältnis zwischen Unternehmen und Dritten (= Kunden, Lieferanten, Kreditgebern) auf der anderen Seite. Insbesondere folgende Fragestellungen sind hier von zentraler Bedeutung:

  • Sind mehrere Gründer vorhanden oder handelt es sich um eine Ein-Mann-Gründung?
  • Führt der Gründer (auch) zukünftig selbst die Geschäfte oder soll das Unternehmen gegebenenfalls von einem Fremden geführt werden?
  • Bringt der Unternehmensgegenstand besondere Haftungsrisiken mit sich?
  • Sind in der Gründungsphase Verluste zu erwarten und ist eine steuerliche Verlustverrechnung mit anderen Einkünften des Gründers oder der Gesellschafter erwünscht?

Für die meisten Unternehmer ist die Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen existentiell wichtig, insbesondere dann, wenn einzelne Gesellschafter(-gruppen) keinen Einfluss auf den oder die Geschäftsführer haben (wollen). Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn aus dem Unternehmen Risiken entstehen, die nicht durch Versicherungen abgedeckt werden können. Die Notwendigkeit einer Haftungsbeschränkung kann auf der anderen Seite jedoch auch gering sein, wenn sich aus dem Geschäftsbetrieb nur wenige Risiken ergeben oder diese vollständig durch Versicherungen abgedeckt werden können.

2. Unternehmensleitung oder Kontrolle

Erfolgt die Leitung des Unternehmens durch den oder die Gründer eigenverantwortlich und selbst oder wird (früher oder später) eine Leitung durch einen Fremdgeschäftsführer angestrebt? Vor allem bei schnell wachsenden Unternehmen oder im Vorfeld eines Generationenwechsels ist es von erheblichem Vorteil, wenn die Rechtsform eine solche Fremdgeschäftsführung zulässt und ausreichende Werkzeuge zur effektiven Überwachung der Geschäftsführung effektiv zur Verfügung stehen. Hier wird der Unterschied zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften wichtig, da Personengesellschaften i.d.R. auf die Mitarbeit der Gesellschafter gegen Gewinnbeteiligung angelegt ist, während bei Kapitalgesellschaften die Beteiligung am Kapital und die Kontrolle der Geschäftsführer bzw. des Vorstands im Vordergrund steht.

3. Finanzierung

Bei der Wahl der richtigen Rechtsform sind auch die Anforderungen an eine bestimmte Eigenkapitalausstattung und die Möglichkeiten zur Erweiterung der Kapitalbasis sowie die möglichen Formen und Grenzen einer (Fremd-)Finanzierung zu beachten. Können die Gründer von Anfang an eine ausreichende Kapitalbasis zur Verfügung stellen? Benötigen die Gründer Zugang zum Kapitalmarkt in Form einer Beteiligungsfinanzierung? Sollen Dritte zu Beginn oder später kapitalmäßig am Unternehmen beteiligt werden?

4. Besteuerung

Das deutsche Steuerrecht ist nicht rechtsformneutral, d.h. die Besteuerung des Unternehmens und der Gründer ist zunächst von der gewählten Rechtsform abhängig. Steuerliche Rechtsformvergleiche beschäftigen bereits seit langem die Fachleute. Sind in der Gründungsphase Verluste zu erwarten, wäre eine Verlustverrechnung mit anderen positiven Einkünften sinnvoll. Handelt es sich um ein überdurchschnittlich ertragreiches Unternehmen?

5. Flexibilität der Rechtsform

Heutzutage werden bereits von Beginn an hohe Anforderungen an die Flexibilität des Unternehmens und der Gesellschafter gestellt. Globalisierung, Gesetzesreformen, Steuerreformen, Internationalisierung der Geschäfte sind nur einige Stichwörter. Inwieweit sind spätere Änderungen des Gesellschaftsvertrages oder sonstiger Verträge zwischen Unternehmen und Gesellschafter erforderlich? Besteht auf Seiten der Gründer ausreichende Kenntnis und Akzeptanz bezüglich der Anforderungen an die strikte Trennung zwischen Gesellschaftsvermögen und privatem Vermögen bei Kapitalgesellschaften?

6. Sicherung des Unternehmensbestands

Unternehmen sind regelmäßig auf Dauer angelegt, so dass die Gründer auch langfristige Bindungen eingehen, beispielsweise durch einen langfristigen Mietvertrag. Hier gilt es, das Unternehmen langfristig vor dem Zugriff von außen, aber auch vor dem vorzeitigen Zugriff von Gesellschaftern und Kapitalgebern zu schützen, idealerweise bereits durch die Gestaltung der Rechtsform. Ferner muss vielleicht auch die qualifizierte Unternehmensleitung langfristig gesichert werden. Ist beispielsweise damit zu rechnen, dass in der Gründungsphase das Kapital aufgezehrt wird?

7. Mitbestimmung im Unternehmen

Die betriebliche Mitbestimmung im Hinblick auf die sozialen und personellen Angelegenheiten im Unternehmen sind rechtsformneutral ausgestaltet. Bei mehr als 5 wahlberechtigten Arbeitnehmern ist nach dem Betriebsverfassungsgesetz ein Betriebsrat zu bilden.

8. Gründungskosten

Je nach Rechtsform fallen zunächst zusätzliche Gründungskosten für die Einhaltung der gesetzlich geforderten formellen Anforderungen an die Unternehmensgründung an. Später können aber auch rechtsformspezifische Kosten durch Informationspflichten oder Kontrollbedürfnisse anfallen.

Achtung: Tendenziell sind die Beratungs- und Kontrollkosten bei Personengesellschaften geringer als bei Kapitalgesellschaften.

9. Sonstige Kriterien

Der oben angeführte Katalog ist natürlich nicht abschließend, sondern auch vom jeweiligen Einzelfall abhängig. Es mag auch Unternehmen geben, die geradezu eine gewisse Rechtsform verlangen, weil dies eben so Tradition oder branchenüblich ist. Seien Sie jedoch mit diesen Mutmaßungen vorsichtig und zurückhaltend. Im Gegenteil hierzu kann eine bestimmte Rechtsform auch branchenüblich von Nachteil sein.

2. Phase: Vorselektion der Rechtsformen

Eine erste Vorselektion der zur Verfügungen stehenden Rechtsformen kann schon in einem frühen Stadium anhand einer Übersicht über die wichtigsten Rechtsformen getroffen werden. Aus einer Übersicht kann man z.B. schon erkennen, dass nur die Kapitalgesellschaften bzw. deren Mischformen in Betracht kommen, sofern eine Haftungsbeschränkung auf das Unternehmensvermögen erwünscht oder erforderlich ist. An dieser Stelle lassen sich also schon K.O. Kriterien definieren, die zum sofortigen Ausschluss einer Rechtsform führen. Seien Sie hier jedoch zurückhaltend.

Ferner wird das Wahlrecht der Existenzgründer durch einige gesetzliche Vorschriften eingeschränkt. Die wichtigsten Einschränkungen betreffen insbesondere die Zahl der Gründer, die im Falle der Personengesellschaften mindestens 2 Gesellschafter erforderlich machen.

3. Phase: Entscheidung für ideale Rechtsform

1. Bewertung der Rechtsformen

In der ersten Phase haben Sie anhand der Ziele und Motive die Anforderungen an Ihre zukünftige Rechtsform aufgelistet. Nunmehr werden die unterschiedlichen Rechtsformen anhand der relevanten Entscheidungskriterien bewertet. Hierfür stellen Sie zunächst alle Anforderungskriterien zusammen und klassifizieren diese entsprechend ihrer Gewichtung für Ihr Vorhaben.

2. Scoring der geeigneten Rechtsformen

Die verbleibenden Rechtsformen stellen Sie dann mittels einer Punktewert- Matrix (= sog. Scoring- Modell) gegenüber. Hierbei werden den einzelnen Alternativen Punktwerte im Hinblick auf die Zielerreichung bei den einzelnen Kriterien zugeordnet. Beispiele hierzu präsentiere ich Ihnen in meinem E-Book zur Existenzgründung (in Bearbeitung). Die einzelnen Punktwerte werden zusammengefasst, so dass sich zum Ende eine Rangfolge ergibt. Kritiker bemängeln dieses System teilweise deshalb, weil die subjektive Bewertung der Entscheidungskriterien zu Ungenauigkeiten führen könnte. In der Praxis führt dieses System jedoch in aller Regel zu sehr effektiven und absolut zutreffenden Ergebnissen. Lassen Sie sich also nicht verunsichern. Ferner werden Sie in diesem Zusammenhang allerlei Literatur zu Steuerbelastungsvergleichen zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften finden. Diesbezüglich muss Ihnen bewusst sein, dass diese Literatur angesichts der tief greifenden Reformen in der Unternehmensbesteuerung zumeist veraltet und nicht mehr zutreffend ist. Wenn Ihr Hauptaugenmerk wegen weit überdurchschnittlicher Ertragskraft Ihres zukünftigen Unternehmens tatsächlich auf der steuerlichen Belastung liegt, lassen Sie sich von einem Steuerberater anhand Ihrer individuellen Gegebenheiten eine Berechnung anhand Ihres Businessplans durchführen.


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