Besteuerung der Gewinnausschüttung

Die Besteuerung der Gewinnausschüttung einer Kapitalgesellschaft auf der Ebene der Gesellschafter wurde durch die Unternehmenssteuerreform 2008 neu geregelt. Vor deren Inkrafttreten wurde die Gewinnausschüttung nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert, seitdem gilt das System der Abgeltungssteuer, sofern sich die Beteiligungen im Privatvermögen des Empfängers befinden.

Inhalt:

1. Unternehmenssteuerreform 2008
2. Systemwechsel zur Abgeltungssteuer
3. Vergleich alte und neue Rechtslage bei der Gewinnausschüttung
4. Teileinkünfteverfahren
5. Steuerfreie Gewinnausschüttung an Kapitalgesellschaften

1. Unternehmenssteuerreform 2008

Durch die Unternehmenssteuerreform 2008 gab es bei der Besteuerung der Gewinnausschüttung einer GmbH an ihre Gesellschafter einen erneuten Systemwechsel, bei dem sich wieder die Frage stellt, wer von dem Systemwechsel profitiert und wer dadurch eher belastet wird. Für die Besteuerung der Gewinnausschüttung ist es zunächst entscheidend, ob der Empfänger die Beteiligung im Privatvermögen oder in einem Betriebsvermögen hält.

2. Systemwechsel zur Abgeltungssteuer ab 2009

Einkünfte aus Kapitalvermögen unterliegen gem. § 20 EStG seit jeher der Kapitalertragsteuer. Hierunter fallen auch die Gewinnausschüttungen (Dividenden) einer GmbH an ihre Gesellschafter. Seit 01.01.2009 ist die Einkommensteuer für

  • Zinsen,
  • Einkünfte aus der Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft und
  • andere Kapitaleinnahmen

grundsätzlich mit dem Abzug der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25% zzgl. Solidaritätszuschlag abgegolten (Abgeltungssteuer), unabhängig vom individuellen Einkommensteuersatz des Empfängers. Werbungskosten sind jedoch über den Sparerfreibetrag hinaus nach § 20 Abs. 9 EStG nicht mehr abzugsfähig. Der Empfänger der Kapitalerträge kann im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung eine Günstigerprüfung beantragen, sofern der persönliche Einkommensteuersatz unterhalb dieses besonderen Steuertarifs für Kapitalerträge liegt.

3. Vergleich alte und neue Rechtslage bei der Gewinnausschüttung

Vorab lässt sich schon feststellen, dass die Abgeltungssteuer bei den Empfängern einer Gewinnausschüttung in jedem Fall zu einer höheren persönlichen Steuerbelastung gegenüber dem früheren Halbeinkünfteverfahren führen wird. Während durch das Halbeinkünfteverfahren die Hälfte der Gewinnausschüttung mit dem persönlichen Steuersatz besteuert wurde, also maximal 22,5% von 100 (= 1/2 von max. 45%), beträgt nunmehr der maximale Steuersatz 25%. Die Mehrbelastung infolge der Abgeltungssteuer nimmt sogar noch verhältnismäßig zu, wenn der persönliche Steuersatz weniger beträgt. Das ist jedoch nur das halbe Ergebnis, weil in die Analyse auch die Ertragsteuern der GmbH einbezogen werden müssen, um einen vollständigen Vergleich der alten und neuen Rechtslage zur Besteuerung der Gewinnausschüttung durchzuführen. Dazu gibt es folgende Übersicht mit einem Vergleich der Besteuerung der Gewinnausschüttung der GmbH nach altem Halbeinkünfteverfahren und dem neuen Recht der Abgeltungssteuer:

    System Abgeltungsteuer   System Halbeinkünfteverfahren
        Einkommensteuersatz
        45%   30%
Gewinn der GmbH vor Ertragsteuern   100,00   100,00   100,00
Ertragsteuern der GmbH   ./. 29,83   ./. 38,65   ./. 38,65
Gewinnausschüttung brutto an Gesellschafter   70,17   61,35   61,35
Steuerpflichtiger Gewinn bei Gesellschafter   70,17   30,68   30,68
Abgeltungssteuer   ./. 17,54   0,00   0,00
Einkommensteuer   0,00   ./. 13,80   ./. 9,20
Solidaritätszuschlag   ./. 0,96   ./. 0,76   ./. 0,51
   
 
 
Gewinnausschüttung netto an Gesellschafter   51,67   46,79   51,64
             
Steuern auf Ebene des Gesellschafters   18,51   14,56   9,71
Ertragsteuern auf Ebene der GmbH   29,83   38,65   38,65
   
 
 
Steuerliche Gesamtbelastung GmbH und Gesellschafter   48,33   53,21   48,36
   
 
 

Anhand dieser Übersicht kann man folgende Schlüsse ziehen:

  1. Gesellschafter mit einem Höchstsatz bei der Einkommensteuer von 45% werden durch das System der Abgeltungssteuer entlastet.
  2. Gesellschafter mit einem persönlichen Einkommensteuersatz unter 30% werden durch das System der Abgeltungssteuer dagegen ungleich höher belastet.
  3. Bei Gesellschaftern einer GmbH mit persönlichen Einkommenssteuersatz unter 30% erhöht sich insgesamt sogar die steuerliche Gesamtbelastung von GmbH und Gesellschafter.

Während also sehr gut verdienende Gesellschafter steuerlich besser gestellt wurden, müssen dies solche Gesellschafter finanzieren, die nur geringe anderweitige Einkünfte haben.

4. Teileinkünfteverfahren

Handelt es sich beim Empfänger der Gewinnausschüttung einer GmbH um eine Personengesellschaft, erfolgt die Besteuerung auf Ebene der Gesellschafter der Personengesellschaft nach dem Teileinkünfteverfahren. Hiernach bleiben 40% der Gewinnausschüttung steuerfrei, wobei umgekehrt auch nur 60% der Betriebsausgaben abzugsfähig sind, die mit der Gewinnausschüttung in wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, § 3c Abs. 2 EStG.

5. Steuerfreie Gewinnausschüttung an Kapitalgesellschaften

Erfolgt die Gewinnausschüttung der GmbH an eine andere Kapitalgesellschaft, bleibt diese gem. § 8b Abs. 1 KStG grundsätzlich steuerfrei. In § 8b Abs. 5 KStG wird jedoch bestimmt, dass 5% der Gewinnausschüttung nicht als Betriebsausgaben abgezogen werden dürfen.

6. Berechnungsbeispiel zur Besteuerung der Gewinnausschüttung

Zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Besteuerungskonzepte bezüglich der Gewinnausschüttung einer GmbH soll das nachfolgende Beispiel dienen:

    Abgeltungssteuer   PersG/Teileinkünfte   KapG/Steuerfrei
Gewinn der GmbH vor Ertragsteuern   100,00   100,00   100,00
Ertragsteuern (KSt, SolZ, GewSt)   ./. 29,83   ./. 29,83   ./. 29,83
Gewinnausschüttung brutto an Gesellschafter   70,17   70,17   70,17
Kapitalertrag der Empfänger   70,17   70,17   70,17
davon steuerpflichtig = BMGr (100%/60%/0%)   70,17   42,10   0,00
n.abz.Betriebsausgaben 5%           3,51
KapESt (Abgeltungssteuer)   ./. 17,54        
persönl. Einkommensteuertarif, § 32a EStG (z.B. 40%)       ./. 16,84    
KSt-Tarif (15%)           ./. 0,53
Solidaritätszuschlag (5,5%)   ./. 0,96   ./. 0,93   ./. 0,03
   
 
 
Gewinnausschüttung netto   51,67   52,40   69,61
             
Steuern auf Ebene des Empfängers   18,51   17,77   0,56
Ertragsteuern auf Ebene der GmbH   29,83   29,83   29,83
   
 
 
Steuerliche Gesamtbelastung   48,33   53,21   30,39
   
 
 

 


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